Schreibblockaden lösen

Schreibblockaden lösen (und warum das in deinem Fall gerade gar nicht sinnvoll ist)

Rabea Scholz Befreie deine Muse Leave a Comment

Die Deadline naht, die Uhr tickt und du sitzt immer noch vor der weißen Seite. Jedes Wort, das du dir dennoch abzwingst, fühlt sich hölzern und leer an. Welche Strategien du auch ausprobierst, du kommst einfach nicht in den Flow. Kennst du? Dann bist du hier richtig. In diesem Artikel erkläre ich dir, woran das liegt und warum herkömmliche Methoden dir nicht helfen werden, deine Schreibblockaden zu lösen.

Der EINE Grund, warum deine Schreibblockade nicht verschwindet

Eine Google-Suche gibt dir viele Übungen, die dir versprechen, dass du damit deine Schreibblockade lösen oder gar „überwinden“ oder „durchbrechen“ kannst – als wäre deine Blockade ein zufälliges Hindernis in deinem Weg. Als bräuchtest du nur genug Anstrengung oder Willenskraft, um darüber hinwegzufliegen oder es zu zerschmettern.

Aus über 20 Jahren Erfahrung im kreativen Schreiben sage ich dir: Je mehr du dich anstrengst, deine Schreibblockade zu zerstören, desto mächtiger wird sie. Jede Anstrengung bekommst du doppelt stark zurück. Und das ist gut so. Denn:

Deine Schreibblockade ist wertvoll und wichtig!

Das kommt dir wahrscheinlich nicht so vor, wenn der Abgabetermin für deine Bachelorarbeit näher rückt oder du versuchst, die Website oder Ads für dein Online-Business zu texten. Und doch: Deine Schreibblockade schützt dich – DU schützt dich selbst damit. Wovor? Schauen wir uns gleich an. Aber bitte versteh zuerst:

Schreibblockaden passieren nicht einfach. Sie kommen nicht von außen – du machst sie selbst.

Das bedeutet:

Wenn du versuchst, Schreibblockaden zu überwinden, kämpfst du immer gegen dich selbst.

Je stärker du von außen versuchst, die Blockade zu durchbrechen, desto stärker erschaffst du sie in deinem Inneren neu. Aus diesem Kreislauf kannst du nicht entkommen. Denn im Kampf mit dir selbst bist du immer der Verlierer.

Okay, warum solltest du dir selbst so etwas Ätzendes wie eine Schreibblockade antun? Insbesondere wenn du doch darauf angewiesen bist, einen erstklassigen Text zu schreiben? Ganz einfach: Weil das, was du dir ohne deine Schreibblockade antun würdest, noch schlimmer wäre.

Die Wahrheit: Deine Schreibblockade schützt deine Muse

Deine Muse ist der verspielte, kreative Teil in dir, der immer die richtigen Worte findet, der mühelos großartige Textkunstwerke erschafft, der nicht nachzudenken oder zu korrigieren braucht. Hast du schon mal so einen richtigen Schreibrausch erlebt, frei und aus dem Herzen heraus? Das war deine Muse.

(Eine Nebenbemerkung: Den Begriff „Muse“ habe ich von Holly Lisle übernommen – meiner Meinung nach die größte, beste, göttlichste Schreibtrainerin auf dem gesamten Planeten. Wenn du Englisch kannst, empfehle ich dir jeden ihrer Schreibkurse. Ja, jeden. Ich habe jeden einzelnen selbst gekauft und selbst durchgearbeitet. Sie sind das Zehnfache dessen wert, was Holly dafür verlangt. Wenn du über meinen Affiliate-Link ihre Kurse kaufen möchtest (kostet nichts extra für dich, aber ich bekomme Provision, wenn du etwas kaufst), freue ich mich. Wenn nicht, nutze den direkten Link und kauf ihre Kurse trotzdem. Was Besseres findest du nirgendwo.)

Zurück zu deiner Muse: Deine Muse hat das Gold, das du für deine Texte brauchst. Und die Edelsteine und die Diamanten. Und Milch und Honig und alles, was du dir sonst noch wünschst. Aber – jetzt kommt der Haken – deine Muse ist auch verletzbar. Sie ist schnell verängstigt, beleidigt, fühlt sich abgelehnt, abgewertet oder kritisiert. Dann ist sie sofort weg – und du hast eine Schreibblockade.

Die Top 3 der Dinge, die deine Muse verletzen

Angst:
„Was werden die anderen darüber denken?“
„Was ist, wenn ich mit diesem Text versage?“
„Ich könnte mich blamieren.“

Druck:
„Dieser Text muss richtig gut werden.“
„Von diesem Text hängt meine Zukunft / meine Ehre / mein Erfolg ab.“
„Ich muss bis 15 Uhr fertig sein.“

Kritik:
„Das kann ich doch so nicht schreiben.“
„Das klingt alles scheiße …“
„Ich hab zu diesem Thema nichts Sinnvolles zu sagen.“

Es gibt noch mehr Faktoren, aber ich wette, du hast dich selbst in einem – wahrscheinlich aber in allen drei – dieser Punkte wiedererkannt.

Was passiert nun, wenn du solche Gedanken hast, während du schreibst? Deine Muse ist klein, zart, jung und absolut hilflos. Angst, Druck und Kritik treffen sie wie Pfeile, und jeder richtet schlimmen Schaden an. Oder WÜRDE schlimmen Schaden anrichten, wenn deine Muse nicht einen eingebauten Verteidigungsmechanismus hätte: die Schreibblockade.

Die Schreibblockade ist die sichere Mauer, hinter der deine Muse sich versteckt

Deine Muse zieht sich in ihr sicheres Zuhause zurück: einen Teil in deinem Gehirn, zu dem du keinen bewussten Zugang hast. Egal wie sehr du kämpfst, du wirst niemals diesen Teil erobern – denn ein anderer Teil von dir (der cleverer ist), stärkt die Mauer nur umso mehr, um deine Muse zu schützen.

Du darfst also aufrichtig dankbar für deine Schreibblockade sein: Sie hat einen unendlich wertvollen Teil von dir beschützt und bewahrt, während du nicht besser mit deiner Muse umzugehen wusstest.

Und was jetzt? Bedeutet das, dass es unmöglich ist, Schreibblockaden zu lösen? Dass du ihnen hilflos ausgeliefert bist, bis deine Muse von sich aus entscheidet, wieder zum Spielen hervorzukommen? Natürlich nicht. Die Lösung ist im Gegenteil ganz einfach, viel angenehmer, gut für dich und deine Muse und voller Entspannung, Freude und Leichtigkeit. Sie lautet:

Gib deiner Muse ein Spiel-Zuhause, in dem sie sich wohlfühlt

Metaphorisch gesprochen richtest du deiner Muse einen Bereich in deinem Kopf ein, in dem sie unbeschwert und ungestört spielen darf, ohne dass sie sich hinter ihre Mauer zurückzuziehen braucht. Es darf ein schönes Zimmer sein: voller Musik, inspirierender Bilder, Glitzerstifte oder was immer genau deine Muse liebt. Und vor allem ist es frei von Angst, Druck und Kritik.

Du kreierst dir also einen Bereich, in dem du selbst ohne jede Bewertung schreiben kannst. Aber – ist denn Bewertung nicht sinnvoll? Doch, natürlich. Ich bin voll dafür, nicht jeden Mist ins Internet zu stellen (oder in eine Bachelorarbeit zu schreiben). 😉 Struktur, adressatengerechter Stil, Rechtschreibung – das sind alles tolle Sachen. Jedoch: Dafür ist später noch Zeit. Im ersten Teil des Schreibprozesses geht es immer um das reine, leichte, entspannte Flow-Schreiben aus dem Herzen heraus.

Um diese Bedingungen zu schaffen, darfst du deinen Verstand mit ins Boot holen. Während deine Muse kreativ, verspielt und lebensfroh ist, kann dein Verstand klare Strukturen schaffen, logisch denken und auch die Zukunft im Blick behalten. Das sind genau die Fähigkeiten, die du brauchst, um einen geschützten, liebevollen Raum für deine Muse zu schaffen.

Schreibblockaden „lösen“ – nicht „überwinden“

Der einzige Weg, wieder ins kreative, leichte Schreiben zu kommen, kann also sein: dafür zu sorgen, dass es deiner Muse gut geht. In dem Moment verschwindet jede Schreibblockade von selbst – sie wird einfach nicht mehr gebraucht. Versuchst du sie jedoch mit Gewalt zu durchbrechen, liegst du immer im Kampf mit dir selbst. Und verlierst.

Möchtest du lernen, wie du deine Muse wieder hervorlockst und ihr ein Zuhause gibst, in dem sie sich sicher, frei und willkommen fühlt? Ich arbeite gerade an einem Online-Kurs zum Thema – willst du mehr darüber wissen? Schau hier.

Hat dieser Artikel dir geholfen, deinen Schreibprozess und deine Muse besser zu verstehen? Dann teile ihn bitte mit Menschen, die auch gern in ihren natürlichen Schreib-Flow zurückfinden möchten. Du unterstützt mich dadurch in meiner Mission, die Muse zu befreien und mehr freudvolle, lebensbejahende, leichte Kreativität in die Welt zu bringen. Ich danke dir! 😊

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