authentische Coaching-Website

So schreibst du eine authentische Coaching-Website

Rabea Scholz Für Coaches & Therapeuten

Im 1:1-Gespräch sind wir offen und authentisch. Aber sobald es um die eigene Website geht, glauben wir, eine andere Sprache sprechen zu müssen. In diesem Artikel lernst du, wie du auch auf deiner Coaching-Website natürlich und authentisch mit deinen Klienten sprichst. 

Meinen ersten Blog hatte ich etwa mit 15 – da wurde so gefühlt gerade das Internet erfunden. Die Websites wurden damals per Hand in HTML programmiert oder mit FrontPage gebastelt und meistens glitzerten sie. Oder sie hatten animierte Bilder und diese schreckliche 8-Bit-Computerspielmusik.

Mein Blog war auch eigentlich gar kein Blog, sondern eine einzelne Webseite mit einer riesigen Wall-of-text ohne Absätze in Schriftgröße 10. So richtig 90er Jahre eben. Allein aus dem Grund wären meine Texte wahrscheinlich schon nicht gelesen worden.

Ich hatte aber noch ein viel größeres Problem: Ich schaffte es einfach nicht, meine Leser authentisch anzusprechen. (Mal abgesehen davon, dass ich mit 15 das Wort authentisch zwar schreiben, aber noch nicht so wirklich begreifen konnte, begleitete mich dieses Problem noch viele Jahre lang.)

Das Ergebnis las sich dann ungefähr so:

Lieber Leser, sei willkommen in meiner wunderbaren Welt voll magischer Texte. Du betrittst das Reich der Worte und ich lade dich herzlich ein, in meinen Werken zu stöbern ...

An sich kein schlechter Text ... zumindest nicht grottenschlecht. Aber er passte einfach nicht zu mir. Er entsprach nicht MIR. Oft geht es meinen Kunden mit ihrer Coaching-Website ähnlich. 

Dieses Problem hatte ich viele Jahre lang. Ständig versuchte ich mich im Internet als jemand zu präsentieren, der irgendwie ein bisschen cooler und geheimnisvoller war als ich. Und selbst als ich dann damit aufhören wollte, wusste ich nicht wie.

3 Tipps für deine authentische Coaching-Website

Lass uns annehmen, dass du zumindest ungefähr weißt, wer du bist. Lass uns außerdem annehmen, dass du dich im Internet auch gern so zeigen würdest. Wenn es dir trotzdem schwerfällt, deine Persönlichkeit in deinen Texten durchschimmern zu lassen, helfen dir diese 3 Tipps – für mehr Authentizität (was für ein Zungenbrecher!) auf deiner Coaching-Website.

Tipp 1: Wisse, für wen du schreibst.

Das klingt so banal und bestimmt hast du es schon dreizehnmal gehört. Ich erzähle es dir trotzdem noch einmal auf meine Art, damit du den Sinn hinter diesem Tipp verstehst. Denn nur wenn es für dich Sinn macht, wirst du es auch umsetzen.

Ich bin mir sicher, du kannst mit einem Freund komplett authentisch reden. Du kannst auch mit einem Geschäftsmann, mit einer Bäckerin, mit einer Ärztin oder mit einem Kunden authentisch reden. Nur am Schreiben hapert es, richtig? 

Warum? Weil du nicht genau weißt, wer den Text auf deiner Coaching-Website lesen wird.

Es ist doch so: Die Bäckerin steht dir am Tresen gegenüber. Der Geschäftsmann schaut dir in die Augen, die Ärztin in den Hals, und selbst beim Kundengespräch am Telefon hast du ein paar grundlegende Infos über Geschlecht, Alter, Beruf …

Wenn du allein an deinem Computer sitzt, fehlt dir das. In deinem Kopf vermischen sich die Bäckerin und der Geschäftsmann mit deinem besten Freund und der Dame in der Bahn von gestern. Die Worte, die zu dem einen passen, sind für den anderen zu persönlich. Oder umgekehrt.

Das fängt schon beim Du oder Sie an, hört dort aber noch lange nicht auf. Darfst du auf deiner Coaching-Website den etwas schmutzigen Witz erzählen, den du so unheimlich lustig findest? Ist deine förmliche Sprache zu formell für die Jugendlichen, die deinen Blog oder deine Website lesen könnten?

Hier kommt die typische Mein-idealer-Klient-Übung ins Spiel.

Falls du sie noch nicht gemacht hast, findest du bei Google eine ganze Reihe von Ergebnissen dazu. Die Essenz: Entscheide dich für eine konkrete Person. Diese hat ein Geschlecht, ein Alter, einen Wohnort, sie hat Hobbys und Vorlieben, sie spricht eine bestimmte Sprache.

Und in dieser Sprache schreibst du. So wie ich jetzt gerade zu dir. Du merkst, dass ich gern etwas mehr erzähle und mich lieber locker-flockig ausdrücke. Vertreibe ich damit die, die nicht viel lesen möchten, oder die, die gern mit Sie angesprochen werden würden? Wahrscheinlich. Aber weißt du was? Menschen gibt es genug auf der Welt. Mit wie vielen davon kann ich – und kannst du – realistisch in einem Leben zusammenarbeiten?

Richtig. Du darfst also auswählen. Und dabei authentisch bleiben.

Tipp 2: Prüfe jedes Wort deiner Coaching-Website auf seine Bedeutung.

Lass mich dir drei schnelle Beispiele geben, was ich damit meine:

Beispiel #1: „exklusiv“

Das ist so ein Klassiker. Wir schreiben gern, dass etwas exklusiv ist, weil es so besonders und irgendwie teuer klingt. Tatsächlich haben wir es aber unreflektiert aus irgendeinem Marketing-Text übernommen, ohne wirklich zu begreifen, was wir damit meinen.

Exklusiv bedeutet „ausschließend“ – sich von anderen abgrenzend. Es kann auch „edel“ oder „luxuriös“ bedeuten. Die Frage ist also: Ist dein Angebot tatsächlich exklusiv? Wem ist es denn nicht zugänglich? Wo ist das Edle oder der Luxus?

Ein exklusiver Golfclub etwa lässt nur Mitglieder zu, die bestimmte Kriterien erfüllen. In der Regel machen wir unser Angebot jedoch allen Kunden zugänglich, die sich dafür interessieren – schließlich wollen wir ja neue Kunden gewinnen!

Es mag sein, dass dein Coaching wirklich exklusiv im Sinne von besonders hochwertig ist … aber auch dann kannst du das genauer (authentischer!) ausdrücken. Wie genau ist denn dein Coaching? Lebensverändernd? Motivierend? Energiegeladen? Spürst du, dass diese Adjektive stärker wirken als „exklusiv“?

Beispiel #2: „professionell“

Noch so ein Klassiker. Wenn wir das Wort einmal hinterfragen, stellen wir fest, dass „professionell“ bedeutet: von einem Profi ausgeführt. Bist du ein Profi? Dein Klient geht davon aus.

Selbst wenn du ehrlicherweise mit nein darauf antwortest, sollte dein Kunde glauben dürfen, dass du dich wie ein Profi verhalten wirst. Als Coach weißt du, was ein Klient wirklich denkt, wenn er immer wieder betont, wie ausgeglichen und ruhig und gelassen und geduldig und stabil in seinem Leben er ist. Nicht so überzeugend, oder?

Genauso wirkst du auf deine Klienten, wenn du auf deiner Coaching-Website immer wieder deine Professionalität betonen musst. Das brauchst du gar nicht. Professionalität ist nicht verhandelbar – dein Klient setzt sie voraus. Du darfst das Wort also mit gutem Gewissen aus deinen Texten streichen.

Beispiel #3: „höchste Qualität“

Das möchten wir alle gern von unseren Dienstleistungen glauben. Mit dieser Formulierung schaffst du dir jedoch gleich zwei Probleme.

Zum einen: Bietest du wirklich die höchste Qualität, die es in deiner Branche gibt? Stichst du alle anderen Coaches aus? Wirklich alle?

Zum anderen gilt auch hier: Dein Klient setzt hohe Qualität voraus. Er wendet sich nicht umsonst an einen Experten, den er zu bezahlen bereit ist. Du hast nur wenige Sekunden, um ihn mit deinen Worten davon zu überzeugen, dass du genau der richtige Coach für ihn bist.

Verschwende diese wenigen Sekunden nicht mit Worten, die nichts bedeuten. „Höchste Qualität“ – google das mal und schau dir die Ergebnisse an. Gefühlt jede zweite Website preist höchste Qualität an.

Entscheide dich daher für zwei oder drei Wörter, die dich von der Masse abheben. Was kann ich mit deinem Coaching wirklich erreichen? „Blockaden zerschmettern“, vielleicht? Meine „Zukunft erschaffen“ oder wieder „lernen zu träumen“? Auch wenn dein perfektes Beispiel nicht dabei ist: Jede dieser Formulierungen wird anziehender wirken als „höchste Qualität“.

Tipp 3: Erzähle aus deinem Leben – und finde das richtige Maß dabei.

Jahrelang habe ich meinen Grundschülern immer wieder gepredigt:

„Ihr dürft bei einer Klassenarbeit nicht abschreiben. Damit betrügt ihr euch nur selbst. Schließlich lernt ihr doch für euch, nicht für mich. Außerdem gibt es eine 6, wenn ich euch dabei erwische.“

Rate mal, ob das geholfen hat? Irgendwann war bei mir das Maß voll und ich sagte entrüstet zu meiner Klasse:

Mensch, Leute, wir haben doch früher alle abgeschrieben, aber ihr dürft euch verdammt noch mal nicht erwischen lassen! Lernt ihr denn heutzutage keine guten Tricks mehr?

Auf einmal war Ruhe. Dann eine zaghafte Frage, untermalt von einem Blick aus erstaunten Sechstklässleraugen:

„Sie haben abgeschrieben?“

Da war mir klar, dass ich in dieser Sache einfach noch nicht den Kontakt zu meinen Schülern gefunden hatte. Sie hielten mich für ein Fabelwesen, das in der Schule lebt und schläft und wahrscheinlich immer schon so Anfang bis Mitte 30 war. Geboren in einem Alter, in dem ich die Abschreibzeit versäumt hatte.

Ich setzte mich also den Rest der Stunde mit meinen Schülern zusammen und brachte ihnen meine besten Abschreibtipps bei. Erzählte ein paar Geschichten aus meiner Schulzeit und mahnte, dass ich als Ex-Schülerin genau darüber Bescheid wusste, was Schülern so alles einfallen kann. Und dass sie das Abschreiben bei mir also gar nicht erst zu versuchen brauchten.

Hat funktioniert. Zumindest habe ich nie wieder einen Schüler beim Abschreiben erwischt. Ich vermute, dass sie sich unser Gespräch zu Herzen genommen haben und mich einfach nicht täuschen wollten. Vielleicht haben sie aber auch einfach nur endlich eine Methode entdeckt, die ich nicht bemerke.

So oder so hat sich unsere Beziehung verbessert. Weil ich authentisch war.

Das Gleiche gilt für den Umgang mit deinen Kunden, auch wenn sie dir nur auf deiner Coaching-Website begegnen. In der Schule gibt es dazu ein nützliches Credo:

Sei persönlich, aber nicht privat.

Heißt: Ich stelle nicht meine Badewannenfotos ins Internet, aber ich kann erzählen, dass ich ein heißes Bad genieße. Ich erzähle nicht im Detail von meinen vergangenen Beziehungen, aber meine Schüler (oder Kunden) dürfen wissen, dass ich eine Lebenspartnerin und eine Stieftochter habe.

Wenn du zum Beispiel Paartherapeutin bist und schreibst:

Ich kenne mich sehr gut mit den verschiedenen Beziehungsmustern aus und arbeite mit verschiedenen Methoden, um deine Partnerschaft zu verbessern. Durch meinen eigenen Hintergrund verfüge ich über persönliche Erfahrung, die ich nutzen kann, um dir zu helfen.

… dann wirkt das so ein bisschen wie die Betäubung beim Zahnarzt. Wie wäre es zum Beispiel mit:

Ich habe zwei kaputte Beziehungen und einen Rosenkrieg hinter mir und weiß, wie das ist: nachts mit Herzrasen aufzuwachen und tagsüber verzweifelt loszuheulen. Ich verspreche dir: Es geht auch anders. Seit 8 Jahren führe ich eine Beziehung, in der ich ganz ich bin. Und ich kann dir zeigen, wie es geht.

Die Grenze zwischen privat und persönlich ist fließend und nicht immer leicht abzuschätzen. Wenn du aber am Viel-zu-professionell-Syndrom leidest, dann wirkt ein Schritt in Richtung „persönlich“ Wunder für deine Coaching-Website.

Das war’s für heute! Wenn dir dieser Beitrag geholfen hat, teile ihn bitte über die Buttons an der rechten Seite.

Herzliche Grüße

Deine Rabea