Bessere Texte schreiben ohne Selbstzweifel

Bessere Texte schreiben – ohne Selbstzweifel

Rabea Scholz Für Coaches & Therapeuten

„Marketing und Werbung ist nicht so meins.“
„Ich will ja nichts verkaufen.“
„Ich will meinen Klienten nichts versprechen, was ich nicht halten kann.“

Diese drei Sätze fielen in einem Gespräch, als eine angehende Therapeutin mich fragte, wie sie bessere Texte schreiben könnte. Meine Antwort: So wird das nichts, hol dir einen Texter ran. 

Das klingt eigennützig, aber es ist mir ernst: In der Regel kann ein Texter dein Angebot viel besser darstellen als du selbst. Warum?

Weil wir alle Selbstzweifel haben.

Zumindest habe ich noch keinen Menschen getroffen, der keine mehr hat. Zugegeben sind manche schon sehr weit in ihrer Entwicklung und ein Vorbild in Sachen Selbstvertrauen, und anderen täte eine Dosis Selbsteinsicht gut ... 😉 Aber an manchen Tagen geht es uns doch allen so: Wir glauben wir einfach nicht, dass wir wirklich etwas Großes bewegen können. Und wie willst du mit dieser Einstellung bessere Texte schreiben als die Konkurrenz? 

Im Studium hatte ich einen fantastischen Dozenten. Zwischen vertrockneten Professoren und Dozentinnen à la Fräulein Rottenmeyer war er voller Energie und Lebenfreude und riss uns in seinen Vorträgen mit. Eines Tages im Seminar gestand er uns:

Ich fürchte jeden Tag, dass die Leute endlich begreifen, was für ein Fake ich bin.

Wie geht es dir in deinem Beruf? Fragst du dich auch manchmal, ob du deinem Klienten bei diesem Problem wirklich helfen kannst? Hast du hin und wieder Angst, dass du etwas „falsch machst“, ohne dann genau zu definieren, was dieses „falsch“ eigentlich bedeutet? Und gerade wenn du noch am Anfang stehst, fragst du dich vielleicht: „Bin ich gut genug in dem, was ich tue?“

Ich bin kein Coach und möchte auch keiner sein. Aber ...

Weißt du, was ich von deiner Arbeit halte?

Es gibt Menschen, denen es wirklich schlecht geht, weil sie jeden Tag mit Ängsten kämpfen. Oder weil sie nicht vorwärtskommen, obwohl so viel Potenzial in ihnen steckt. Manche weinen sich abends in den Schlaf, finden nicht den richtigen Partner, fühlen sich einsam, wollen sich sogar das Leben nehmen.

Und dann kommst du und hilfst ihnen. Du investierst das Wertvollste, was du hast – deine Lebenszeit –, um ihnen ein besseres Leben zu schenken. Du fühlst dich in andere ein, du hörst zu, du gibst Halt und neue Richtungen. Du bringst Menschen wieder auf die eigenen Füße, du motivierst sie, du gibst ihnen die Freude an ihrem Leben zurück.

Ganz ehrlich? Du bist so ziemlich das Geilste, was es gibt auf der Welt! Deine Arbeit ist so wichtig und wertvoll. Die Welt braucht mehr Leute wie dich, denn es gibt so viel zu tun. Du machst ganz wortwörtlich mit jedem Klientengespräch die Welt ein Stück besser.

Und es ist völlig egal, ob du das so gut machst wie der Coach von nebenan, ob du alles weißt und alles kannst oder ob du schon 40 Jahre Erfahrung hast. In dem Moment, in dem es zählt, bist du für einen Menschen da und tust dein Bestes, um ihm zu helfen. Daran kann nichts Schlechtes sein. 

Mit diesem Glauben kannst du bessere Texte schreiben. 

Mach es dir klar: Da gibt es einen Menschen, dem es nicht gut geht, und einen Menschen, der helfen will. Deine Werbung macht nichts anderes, als euch zusammenzubringen. Du hast ein wertvolles, großartiges Angebot, das jemand anders wirklich braucht. Wenn du nicht darüber sprichst, erfährt er es nie.

Wir haben ein so schlechtes Bild von Werbung, weil uns vorgegaukelt wird, dass wir mit diesem einen Backofenreiniger wirklich nur einmal drüberwischen müssen und dann sieht der Backofen wieder aus wie vor 15 Jahren, als er gekauft wurde. Oder wenn wir nicht diesen Eyeliner kaufen, dann sind wir hässlich und dumm und um uns herum scheint nie die Sonne.

Klar, diese Form von Werbung ist kacke. 

Sie erzählt uns Märchen und sorgt dafür, dass wir uns schlecht fühlen, wenn wir nicht kaufen.

Aber das willst du nicht für deine Klienten. Du willst doch helfen. Du willst auch davon leben – gut leben – und das ist okay. Wer hat gesagt, dass es schändlich ist, wenn du von deiner Hilfsbereitschaft auch leben willst? Warum solltest du das nicht? Du tust doch etwas Wertvolles für die Welt. Du verdienst auch etwas Wertvolles für dich. Warum nicht?

Warum nicht du?

Kommen wir zurück zu deinen Texten. Sei doch einfach ehrlich, dann ersparst du dir das ganze Kopfzerbrechen. Es ist wirklich so einfach. Wenn du schreibst:

Mein 90-minütiges Coaching wird dich für immer glücklich, gesund und erfolgreich machen.

... und du weißt genau, das kannst du nicht halten, weil dazu einfach mal die Mitarbeit deines Klienten gehört und „für immer“ sowieso mit Vorsicht zu genießen ist, dann wirst du schlecht schlafen. Zu Recht.

Aber bitte tu dir auch nicht so etwas an:

Ich versuche, dir bei deinen Problemen zu helfen. Ich kann dir aber nichts garantieren. Ein Coaching funktioniert eben nur unter bestimmten Umständen, und die kann ich nicht überblicken. Aber lass es uns doch versuchen.

Dann findest du nämlich unter Garantie keine Klienten. Sicher, das ist unheimlich ehrlich. Aber wenn du nicht mal selbst glaubst, dass du wirklich helfen kannst – warum sollte dein Klient es glauben? (Klassisches Coaching-Thema, übrigens. Ich lasse mich coachen. Tust du das auch oder scheust du dich davor?)

Fast genauso schlimm ist die Methodenbeschreibung. Mit der gehst du überhaupt kein Risiko ein, aber sie interessiert deinen Klienten auch nicht. Beispiel:

Im Coaching verwende ich systemische Methoden, die ich in meiner dreijährigen Ausbildung gelernt habe. Auch Aufstellungen können zum Einsatz kommen, um Glaubenssätze aufzulösen. Imaginationsarbeit und Meditationen gehören ebenso zu meinem Repertoire.

Ich finde Aufstellungen klasse. Aber dein Durchschnittsklient wird wahrscheinlich nicht wissen, was das überhaupt ist, geschweige denn wozu es gut ist. Dein Klient möchte auch gar keine bestimmte Methode. Er möchte einfach nur, dass du ihm hilfst. Es geht ihm nicht gut, und er hat weder Zeit noch Nerven, um erst den ganzen Prozess erklärt zu bekommen.

Wenn du bessere Texte schreiben willst, entscheide dich für klare, einfache Aussagen, die berühren:

Ich höre dir zu.
Ich helfe dir, zur Ruhe zu kommen.
Im Coaching findest du einen Raum für dich. 

Wie das alles im Einzelnen geht – das darfst du später erzählen oder am besten gleich mit deinem Klienten umsetzen.

Zurück zum Thema Selbstzweifel ...

Lass nicht zu, dass diese in deine Texte kriechen. Erinnere dich, was für eine lebensdienliche Leistung du anbietest – und dann biete sie an. Du musst keine Versprechungen machen, mit denen du dich nicht wohlfühlst. Hörst du aufmerksam zu? Willst du ehrlich helfen? Dürfen deine Klienten bei dir ganz so sein, wie sie sind? Dann versprich ihnen das. Für viele ist das schon unheimlich viel wert.

Ich mache auch Werbung für mich. Du brauchst das nicht zu lesen – ich will mich auch nicht aufdrängen oder irgendjemanden nerven. Ich mache einfach nur ein Angebot, das ich toll finde, für Coaches und Therapeuten, die es auch toll finden. Win-win! Und so darfst du auch deine eigene Werbung betrachten. 🙂

Ich wünsche dir viel Erfolg und hoffe, dass du durch diesen Artikel ab heute bessere Texte schreiben wirst.

Herzliche Grüße

Deine Rabea 

P. S. Wenn du in diesem Artikel etwas Sinnvolles für dich gefunden hast, dann teile ihn doch bitte über die Social-Media-Buttons. Damit hilfst du mir und auch anderen Lesern. 🙂 Danke!